Digitalisierung
Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft
Die Digitalisierung in der Versicherungswirt schreitet unaufhaltsam voran. Treiber hierfür sind einerseits kontinuierliche Fortschritte in der technologischen Entwicklung: In nicht einmal einer Lebensspanne wurden erst Großrechner eingeführt, anfänglich noch mit Lochkarten und Magnetbändern zu bedienen, dann Personal Computer, das Internet, mobile Endgeräte, smarte Technologien, die alles miteinander vernetzen und dabei Unmengen an Daten sammeln, Blockchain- und Cloud-basierte Lösungen und schließlich generative KI-Applikationen.
Parallel dazu haben sich die Kundenwünsche ebenso geändert wie die Anforderungen an die Zusammenarbeit. Kalkulierte Effizienzpotenziale der Unternehmen aber auch die Chance, neue und digitale Geschäftsmodelle zu etablieren, leisten ein Übriges zu dieser rasanten Entwicklung.
Insbesondere der Dienstleistungssektor ist zunehmend von einer Erwartungshaltung geprägt, die auf einer 24/7- bzw. Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit basiert. Digitale Kommunikationskanäle mit permanenter Erreichbarkeit und den Möglichkeiten zur kompletten Online-Geschäftsbeziehung vom Vertragsabschluss bis zur Schadenmeldung und -abwicklung sind Antworten darauf.
In Unternehmen kommen die Automatisierung von Routineprozessen hinzu sowie die Entwicklung von Systemen, die auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz (KI) operieren. Unternehmen erkennen und realisieren zunehmend die Effizienzpotenziale die darin liegen: KI-gestützte Systeme assistieren beispielsweise in der Schadenabwicklung oder übernehmen diese gleich ganz. Und auch die Zufriedenheit der Kund:innen lässt sich mit datengestützter Analytik voraussagen (Predictive Customer Satisfaction). Besonders bedeutsame Entwicklungen zeigen sich in den Bereichen der Kommunikation, der Automatisierung von Routineprozessen, Möglichkeiten der Datenerfassung, Verarbeitung und Speicherung, sowie der Entwicklung von Systemen die auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz operieren. Diese haben im Wirtschaftssektor zum Entstehen von Plattformökonomien, neuen internetbasierten Geschäftsmodellen, geführt. Charakteristisch sind ihr hoher Grad an Kundenorientierung und Individualisierung im Angebotsbereich sowie eine Just-in-time-Abwicklung.
Big Data, Künstliche Intelligenz, Automatisierung – damit verbunden sind auch ordnungspolitische Herausforderungen. In Unternehmen sind zunehmend kompetente Mitarbeiter:innen gefragt, die sich dieser Herausforderungen annehmen, Lösungen dafür entwickeln und damit Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Digitalisierung im Berufsbild Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen
Die Ausbildung eröffnet den angehenden Kaufleuten für Versicherungen und Finanzanlagen die Möglichkeit, mit diversifizierten Kundenbedürfnissen und technologischem Wandel umgehen zu können. Nahezu alle Berufsbildpositionen sind darauf ausgerichtet bzw. enthalten entsprechende Schnittstellen.
Insbesondere die Berufsbildpositionen Arbeit in der digitalisierten Versicherungswirtschaft gestalten, digitalisierte Arbeitswelt sowie die Wahlqualifikation Digitalisierungsprozesse in der Versicherungswirtschaft initiieren und begleiten thematisieren den Umgang mit sich verändernden Situationen und Anforderungen.
Die künftigen Kaufleute werden auf dieser Grundlage befähigt, Entwicklungstrends der Digitalisierung im eigenen Arbeitsbereich zu berücksichtigen (1b) und Potenziale von digitalen Prozessen zu erkennen und zu heben (1e). Sie können hierzu auf einen mit Problem- und Kreativitätstechniken (2a) sowie projektorientierten, kollaborativen Arbeitsweisen (2c,2b) gefüllten Werkzeugkoffer zurückgreifen (→ Ausbildungsrahmenplan Abschnitt A).
Mit der Wahlqualifikation Digitalisierungsprozesse in der Versicherungswirtschaft initiieren und begleiten erwerben die zukünftigen Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen Schnittstellenkompetenz zur IT. Sie werden dazu ausgebildet Digitalisierungsprozesse von der Analyse des Ist-Zustands (5b) über die Modellierung des Soll-Zustands (5c) sowie die Projektsteuerung (5d, e) bis hin zur Freigabe (5f)zu begleiten ( → Ausbildungsrahmenplan Abschnitt B).
Der Bildungsauftrag der Berufsschule sieht darüber hinaus vor, individuelles und selbstorganisiertes Lernen in der digitalen Welt zu fördern. Der Erwerb von Kompetenzen für die digitale Arbeits- und Geschäftswelt ist ebenfalls integraler Bestandteil der Lernfelder des Rahmenlehrplans. Ferner verweisen nahezu alle Lernfelder auf den expliziten Einsatz von digitalen Medien, Tools, Kommunikationskanälen sowie Daten- und Informationssystemen.
KI-Unterstützung in der Ausbildung und in den Abschlussprüfungen
Generative KI-Applikationen als Novum werden die Arbeitswelt in rasanter Geschwindigkeit nachhaltig verändern. Dies birgt sowohl Chancen als auch Risiken. Fraglich ist, welche Neuausrichtungserfordernisse sich hieraus insbesondere für die Gestaltung von Berufsbildung, die Anlage von Prüfungen und die Qualifizierung Lehrender in der Versicherungswirtschaft ergeben. Das Thesenpapier des BWV Bildungsverbands gibt eine erste Orientierung.
Praktische Unterstützung leistet Dein KVF-Guide mit Vorlagen zum Erstellen von Fallvorgaben mittels KI-Anwendungen für die mündliche Prüfung Kommunikation und Handeln im Kundenkontakt sowie mit einer Promptsammlung zur Generierung von Fragevorschlägen aus einem Report für die mündliche Prüfung Projektorientierte Prozesse in der Versicherungswirtschaft.